Im Morgenkreis dürfen die Kinder über das Mittagessen abstimmen. Zur Auswahl stehen Nudeln mit Tomatensoße oder Reis mit Gemüse. Die Gruppe hebt die Hände, die Fachkraft zählt aus, und alle haben scheinbar mitentschieden. Doch die eigentliche Auswahl lag bereits bei den Erwachsenen. Für Kinder gab es keine Möglichkeit, einen weiteren Wunsch einzubringen oder die Entscheidung zu beeinflussen.
Solche Situationen sind im Kita-Alltag nicht ungewöhnlich. Partizipation steht im Konzept, Kinder werden gefragt, und trotzdem bleibt ihr Einfluss manchmal gering. Wer die Stufen der Partizipation kennt, kann genauer prüfen, ob Kinder informiert, angehört, beteiligt oder tatsächlich an Entscheidungen beteiligt werden. Eine verständliche Einordnung hilft Ihrem Team, Beteiligung nicht nur gut zu meinen, sondern verlässlich umzusetzen. Einen grundlegenden Überblick über den Begriff bietet auch die Definition von Partizipation in der Pädagogik.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Partizipation mehr ist als Mitmachen dürfen
- Die Partizipationsleiter von Roger Hart erklärt
- Partizipationsmodelle im deutschen Kontext vergleichen
- Wann höhere Partizipationsstufen wirklich wirken
- Partizipationsstufen im pädagogischen Alltag umsetzen
- Den richtigen Beteiligungsgrad für Ihre Einrichtung finden
- Mit qualifiziertem Personal Partizipation verlässlich gestalten
Warum Partizipation mehr ist als Mitmachen dürfen
Mitmachen und mitentscheiden sind nicht dasselbe. Ein Kind kann bei einem Fest ein Plakat halten, ein Lied singen oder zwischen zwei vorgegebenen Möglichkeiten wählen, ohne den Ablauf wesentlich zu beeinflussen. Dann ist es anwesend und aktiv, aber nicht automatisch beteiligt.
Für die pädagogische Arbeit ist diese Unterscheidung wichtig. Kinder sollen erfahren, dass ihre Perspektive zählt und dass Entscheidungen nachvollziehbar sind. Dazu gehört auch, Grenzen offen zu benennen. Über Sicherheitsregeln, die Aufsichtspflicht oder den Schutz anderer Kinder kann die Gruppe nicht beliebig entscheiden. Innerhalb dieses Rahmens braucht es aber echte Wahlmöglichkeiten und eine ehrliche Rückmeldung.
Praktische Regel: Fragen Sie nach jeder Kinderentscheidung: „Was konnte das Kind tatsächlich beeinflussen?“
Die deutschen Modelle verstehen Beteiligung deshalb als abgestuften Prozess. Das häufig verwendete Stufenmodell für Bürgerbeteiligung unterscheidet oberhalb der Nichtbeteiligung fünf aufeinander aufbauende Stufen: Information, Austausch beziehungsweise Dialog, partnerschaftliche Kooperation, Delegation von Entscheidungen und Eigenständigkeit. Beteiligung ist damit keine Ja-oder-nein-Frage, sondern beschreibt unterschiedliche Einflussgrade auf Entscheidungen und deren Umsetzung. Das Brandenburgische Beteiligungsportal stellt diese Abstufung ausführlich dar.
Scheinbeteiligung erkennen
Scheinbeteiligung entsteht häufig nicht aus böser Absicht. Eine Fachkraft möchte Kinder einbeziehen, hat aber wenig Zeit, ein fertiges Vorhaben oder Angst vor Unruhe. Eine Abstimmung wirkt dann demokratisch, obwohl das Ergebnis bereits feststeht.
Professionell wird Beteiligung, wenn das Team vorab klärt, was offen ist, wer entscheiden darf und wie die Rückmeldung erfolgt. Erst dann können Sie eine passende Stufe wählen. Für Einrichtungen mit vielen Kindern oder wechselnden Gruppen ist eine klare, realistische Beteiligung oft wirksamer als ein großes Versprechen, das im Alltag nicht eingelöst wird.
Die Partizipationsleiter von Roger Hart erklärt
Roger Harts Modell ist im Kinder- und Jugendbereich ein zentraler Referenzrahmen. Es umfasst acht Partizipationsstufen. Die ersten drei Stufen gelten als Nicht-Partizipation oder Scheinbeteiligung. Ab Stufe vier beginnt in diesem Modell echte Beteiligung. Das Fachmaterial von Frühe Chancen ordnet die Stufen von Manipulation bis zu eigenständiger Initiative ein.

Die ersten drei Stufen sind keine echte Beteiligung
Stufe 1, Manipulation: Kinder werden für ein Vorhaben eingesetzt, ohne den Zweck zu verstehen oder Einfluss auf die Entscheidung zu haben. Ein Beispiel wäre eine Aktion, bei der Kinder für ein Thema werben, das Erwachsene geplant haben, ohne es ihnen verständlich zu erklären.
Stufe 2, Dekoration: Kinder sind sichtbar dabei, tragen aber nichts zur Entscheidung bei. Sie treten etwa bei einer Veranstaltung auf, weil Erwachsene das Programm gestaltet haben.
Stufe 3, Alibiteilnahme: Kinder dürfen scheinbar ihre Stimme abgeben, doch ihre Beiträge verändern nichts. Ein Morgenkreis mit einer Abstimmung über ausschließlich vorgegebene Antworten kann in diese Richtung gehen.
Deutsche Fachquellen bezeichnen diese drei unteren Stufen ausdrücklich als Scheinbeteiligung. Dazu gehören Manipulation, Dekoration und Alibiteilnahme, wie die Analyse des Deutschen Instituts für Menschenrechte zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen herausarbeitet.
Ab Stufe vier wächst der Einfluss
Stufe 4, zugewiesen, aber informiert: Erwachsene entscheiden und übertragen Kindern eine Aufgabe. Die Kinder wissen, worum es geht, warum sie beteiligt sind und welchen Rahmen die Aufgabe hat. In der Kita können Kinder beispielsweise ein bereits beschlossenes Gartenprojekt vorbereiten, wenn sie verständlich über Ziel und Grenzen informiert wurden.
Stufe 5, konsultiert und informiert: Kinder werden nach ihrer Meinung gefragt. Erwachsene erklären anschließend, welche Vorschläge berücksichtigt wurden und warum andere nicht umgesetzt werden können. Wenn Kinder Ideen für einen Ausflug sammeln, die Fachkraft aber wegen organisatorischer Grenzen entscheidet, gehört eine nachvollziehbare Rückmeldung dazu.
Stufe 6, von Erwachsenen initiiert, Entscheidungen mit Kindern geteilt: Erwachsene geben den Impuls, teilen die Entscheidung aber mit den Kindern. Die Fachkraft schlägt etwa ein Raumprojekt vor, und die Kinder entscheiden gemeinsam über Gestaltung, Materialien und einzelne Umsetzungsschritte.
Stufe 7, von Kindern initiiert und durchgeführt: Kinder entwickeln ein Vorhaben selbst und setzen es mit Unterstützung um. Eine Kindergruppe plant beispielsweise eine Ausstellung über ihre Lieblingsorte in der Einrichtung.
Stufe 8, von Kindern initiierte, geteilte Entscheidungen: Kinder bringen das Thema ein, Erwachsene und Kinder entscheiden gemeinsam über die Umsetzung. Erwachsene bleiben ansprechbar, übernehmen aber nicht automatisch die Führung.
Eine deutschsprachige Zusammenfassung von Wiethoff und Dippold fasst Harts Modell teilweise anders: Sie unterscheidet zwei Stufen der Nichtbeteiligung, zwei Stufen der Partizipation und eine Stufe der Autonomie. Diese Einordnung zeigt, warum Teams immer dazusagen sollten, welches Modell und welche Zählweise sie verwenden.
Die folgende Videoerklärung kann das Modell im Teamgespräch zusätzlich veranschaulichen:
Partizipationsmodelle im deutschen Kontext vergleichen
In Deutschland gibt es nicht das eine verbindliche Modell der Partizipationsstufen. Je nach Arbeitsfeld begegnen Ihnen Harts acht Stufen, Arnsteins Leiter, Wrights Ansatz oder vereinfachte Drei- und Fünf-Stufen-Modelle. Die Verwirrung entsteht vor allem dann, wenn ein Modell aus der Bürgerbeteiligung auf die Kita übertragen wird, ohne Zielgruppe und Entscheidungssituation zu berücksichtigen.
Für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist Roger Hart besonders hilfreich, weil das Modell Scheinbeteiligung sichtbar macht und die zunehmende Entscheidungsmacht von Kindern beschreibt. In kommunalen Verfahren passt dagegen ein Modell, das Information, Dialog, Kooperation, delegierte Verantwortung und Eigenständigkeit unterscheidet. Es fragt stärker danach, wie Bürgerinnen und Bürger auf öffentliche Entscheidungen und deren Umsetzung einwirken.
| Modell | Stufen | Zielgruppe | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Roger Hart | Acht Stufen, von Manipulation bis zu von Kindern initiierten, geteilten Entscheidungen | Kinder und Jugendliche | Kita, Schule, Jugendhilfe, Bildungs- und Sozialarbeit |
| Bürgerbeteiligungsmodell | Information, Austausch beziehungsweise Dialog, partnerschaftliche Kooperation, Delegation von Entscheidungen, Eigenständigkeit | Bürgerinnen und Bürger, Initiativen, kommunale Gruppen | Kommunale Planung und öffentliche Beteiligungsverfahren |
| Wrights Leiter | Ein Spektrum von Fremdbestimmung über Information und Anhörung bis zu geteilter Entscheidungsmacht und Selbstverwaltung | Kinder, Jugendliche und Erwachsene, je nach Anwendung | Gesundheitsförderung, Soziales und Organisationsentwicklung |
| Vereinfachte Ansätze | Drei, fünf oder andere zusammengefasste Stufen | Je nach Einrichtung | Konzeption, Teamreflexion und schnelle Standortbestimmung |
Das Setting entscheidet über die passende Sprache
Ein Kita-Team braucht andere Fragen als eine Kommune. Bei Kleinkindern beobachten Fachkräfte Körpersprache, Blickrichtung, Abwehr und Zustimmung. In einer Kinderkonferenz können ältere Kinder Vorschläge sammeln, diskutieren und Beschlüsse dokumentieren. In der Jugendhilfe stehen möglicherweise individuelle Hilfeplanung, Gruppenregeln oder die Gestaltung eines Projekts im Mittelpunkt.
Achten Sie deshalb auf drei Punkte:
- Modell benennen: Schreiben Sie in Konzepten und Protokollen dazu, auf welches Modell Sie sich beziehen.
- Begriff erklären: Verwenden Sie „Mitwirkung“, „Mitbestimmung“ und „Selbstverantwortung“ nicht austauschbar.
- Entscheidungsrecht beschreiben: Halten Sie fest, ob Kinder informiert werden, Vorschläge machen, mitentscheiden oder eigenständig handeln.
Ein Modell ist eine Landkarte. Es ersetzt nicht die pädagogische Einschätzung vor Ort.
Die Auswahl des Modells ist kein theoretischer Nebenschauplatz. Sie beeinflusst, welche Erwartungen Kinder, Eltern und Fachkräfte an ein Verfahren haben. Ein sauber benanntes Modell verhindert, dass ein Team eine beratende Runde bereits als gleichberechtigte Mitentscheidung bewertet.
Wann höhere Partizipationsstufen wirklich wirken
Eine höhere Stufe ist nicht automatisch die bessere Wahl. Beteiligung braucht passende Bedingungen. Wenn Kinder formal mitentscheiden sollen, aber niemand Zeit für Vorbereitung, Umsetzung und Rückmeldung hat, erleben sie schnell, dass ihre Stimme folgenlos bleibt. Eine gut durchgeführte Konsultation kann dann ehrlicher und wirksamer sein als eine versprochene Entscheidungsmacht ohne Ressourcen.
Das gilt besonders in großen und heterogenen Systemen wie Kita, Jugendhilfe oder kommunaler Beteiligung. Bei der öffentlich geförderten Jugendarbeit wurden 2023 7,3 Millionen Teilnehmende erreicht, wie im Forschungsbericht zu Impulsen zur Bürgerbeteiligung angegeben wird. Die Zahl zeigt die große Reichweite solcher Settings, sagt aber nichts darüber aus, wie verbindlich oder tiefgehend die jeweilige Beteiligung war.

Vier Bedingungen bestimmen den Nutzen
Zeit: Kinder brauchen Gelegenheit, Fragen zu stellen, Ideen zu entwickeln und Entscheidungen zu überprüfen. Ein hektisches Abstimmen zwischen zwei Übergängen schafft selten echte Mitbestimmung.
Vorbereitung: Bereiten Sie Informationen altersgerecht auf. Fotos, Gegenstände, Symbole oder kurze Geschichten helfen Kindern, sich eine Meinung zu bilden.
Entscheidungsrahmen: Sagen Sie klar, worüber die Gruppe entscheiden darf. „Ihr entscheidet über alles“ überfordert und ist meist nicht realistisch. „Ihr entscheidet, welche Farben die neue Leseecke bekommt“ ist überprüfbar.
Rückkopplung: Informieren Sie die Kinder, was aus ihrem Vorschlag geworden ist. Wenn ein Wunsch nicht umgesetzt wird, erklären Sie den Grund und suchen Sie, wenn möglich, nach einer Alternative.
Partizipation kann auch Aufwand erzeugen, Entscheidungen verlangsamen oder Verantwortlichkeiten unklar machen. Das ist kein Argument gegen Beteiligung, sondern ein Auftrag an die Planung. Gerade bei Fragen zu Kinderrechten und Mitbestimmung lohnt sich eine klare pädagogische Haltung, wie die Informationen zu Kinderrechten in der Kita zeigen.
Entscheidend ist nicht die höchste Stufe, sondern die ehrlichste und tragfähigste Stufe.
Partizipationsstufen im pädagogischen Alltag umsetzen
Theorie wird greifbar, wenn Ihr Team dieselbe Alltagssituation auf unterschiedlichen Stufen betrachtet. Entscheidend ist nicht nur, ob Kinder etwas tun, sondern wer den Impuls gibt, wer entscheidet und wer die Umsetzung trägt.

Kita und Morgenkreis auf Stufe vier
Die Fachkraft hat für den Tag einen Ausflug in den Garten geplant. Im Morgenkreis informiert sie die Kinder über den Ablauf, zeigt Bilder vom Ziel und erklärt, welche Regeln gelten. Die Kinder wissen, was geschieht, übernehmen aber nicht die Entscheidung über das Vorhaben.
Das ist Stufe 4, zugewiesen, aber informiert, sofern die Aufgabe und der Zusammenhang verständlich erklärt werden. Die Kinder können Fragen stellen und innerhalb des gesetzten Rahmens Aufgaben übernehmen, etwa entscheiden, welche Materialien mitgenommen werden. Die Fachkraft bleibt für Sicherheit und Organisation verantwortlich.
Das Ergebnis ist dann gut, wenn Kinder Orientierung erhalten und ihre begrenzten Wahlmöglichkeiten real sind. Wird nur verkündet, was ohnehin passiert, ohne Raum für Fragen oder Einfluss im Rahmen, nähert sich die Situation eher einer niedrigeren Stufe.
Grundschule und Projektplanung auf Stufe fünf
Eine Grundschulklasse soll einen Bereich des Klassenraums neu gestalten. Die Lehrkraft legt fest, dass der Raum für Lesen und ruhiges Arbeiten genutzt wird, fragt die Kinder aber nach ihren Ideen für Möbel, Farben und Materialien. Die Vorschläge werden gesammelt, geordnet und auf Umsetzbarkeit geprüft.
Hier passt Stufe 5, konsultiert und informiert. Die Kinder werden ernsthaft angehört, die letzte Entscheidung liegt jedoch bei der Lehrkraft oder der Schule. Wichtig ist die Rückmeldung: Welche Ideen werden übernommen, welche nicht, und warum?
Die Klasse kann anschließend an der Gestaltung mitarbeiten. Dadurch wird aus dem Gespräch kein dekoratives Element, sondern ein nachvollziehbarer Beratungsprozess.
Offene Jugendarbeit und Kinderparlament auf Stufe sechs
In einer offenen Einrichtung wünschen sich Jugendliche eine Veränderung des Aufenthaltsraums. Sie bringen das Thema selbst ein, sammeln Vorschläge und diskutieren Prioritäten. Die Fachkräfte klären Budget, Sicherheitsfragen und Zuständigkeiten. Über die innerhalb dieses Rahmens möglichen Entscheidungen stimmen Jugendliche und Fachkräfte gemeinsam ab.
Das entspricht Stufe 6, von Erwachsenen initiiert mit geteilten Entscheidungen, wenn die Einrichtung den Prozess anstößt. Wird das Thema von den Jugendlichen eingebracht, kann der Prozess in Richtung der höheren Stufen gehen. Die Erwachsenen geben Verantwortung nicht vollständig ab, sondern sichern den Rahmen und begleiten die Umsetzung.
Ein Kinderparlament funktioniert nur, wenn Beschlüsse sichtbar weiterverfolgt werden. Ein Protokoll, ein Rückblick beim nächsten Treffen und eine verständliche Begründung bei nicht umsetzbaren Vorschlägen schaffen Verbindlichkeit. Ähnliche Grundsätze gelten für Partizipation in Kitas, auch wenn das Format an Alter und Gruppe angepasst werden muss.
Den richtigen Beteiligungsgrad für Ihre Einrichtung finden
Die passende Partizipationsstufe zeigt sich an der Entscheidung, nicht an einem festen Ziel auf der Leiter. Bei der Raumgestaltung kann eine Kindergruppe Ideen sammeln und gemeinsam auswählen. Bei einer Sicherheitsregel bleibt der Entscheidungsrahmen enger. Professionell ist die Stufe, auf der Kinder tatsächlich Einfluss nehmen können und Erwachsene ihre Verantwortung klar benennen.
Entscheidung mit einem kurzen Selbstcheck prüfen
Nutzen Sie vor dem Start einen kurzen Teamcheck:
- Entscheidung: Was genau soll am Ende feststehen? Formulieren Sie die Frage so konkret, dass Kinder erkennen, worüber sie mitentscheiden.
- Einfluss: Welche Teile liegen wirklich in Kinderhand? Trennen Sie veränderbare Punkte von Vorgaben, die bereits feststehen.
- Zugang: Wie können alle beteiligten Kinder ihre Sicht einbringen? Planen Sie Gespräch, Abstimmung, Gestaltung, Beobachtung oder unterstützte Kommunikation passend zur Gruppe.
- Verbindlichkeit: Wer setzt das Ergebnis um, bis wann, und wie erfahren die Kinder davon?
Diese vier Punkte ergeben eine einfache Entscheidungshilfe. Gibt es keinen echten Spielraum, informieren Sie verständlich und erklären Sie die Grenze. Gibt es mehrere machbare Optionen, passt eine beratende oder mitentscheidende Stufe. Können Kinder Thema, Ablauf und Umsetzung weitgehend selbst bestimmen, braucht es vor allem einen sicheren Rahmen und erreichbare Fachkräfte.
Beteiligung im Alltag nachweisen
Dokumentieren Sie jede ausgewählte Entscheidung auf einer Seite. Eine praxistaugliche Vorlage enthält:
- Thema und beteiligte Kinder,
- mögliche Optionen und festgelegte Grenzen,
- gewählte Partizipationsstufe,
- Beiträge der Kinder, einschließlich nonverbaler Signale,
- Ergebnis, Zuständigkeit und Termin,
- Rückmeldung an die Gruppe,
- kurze Auswertung: Was wurde angepasst, was blieb offen?
So wird sichtbar, ob Kinder nur angehört wurden oder tatsächlich Einfluss hatten. Die Dokumentation dient nicht als zusätzlicher Papieraufwand, sondern als Prüfspur für das Team. Wiederkehrende Muster besprechen Sie im Qualitätsmanagements in der Kita.
Eine konsequent umgesetzte niedrigere Stufe ist professioneller als eine hohe Stufe, die nur auf dem Papier existiert.
Wenn Ihr Team Entscheidung, Einfluss, Zugang und Verbindlichkeit vor jeder Beteiligung klärt, wird aus guter Absicht ein nachvollziehbarer pädagogischer Prozess.
Mit qualifiziertem Personal Partizipation verlässlich gestalten
Echte Mitbestimmung zeigt sich in kleinen Alltagssituationen: Ein Kind zieht sich bei der Abstimmung zurück, ein anderes widerspricht mit Gesten. Erfahrene Fachkräfte nehmen solche Signale wahr, erklären Entscheidungen verständlich und prüfen, welcher Einfluss tatsächlich möglich ist. So wird aus einer Alibi-Abstimmung ein altersgerechter Entscheidungsprozess.
Dafür braucht das Team Zeit, Kontinuität und klare Absprachen. Häufige Wechsel oder Unterbesetzung erschweren Kinderkonferenzen, Beschwerden und verlässliche Rückmeldungen. Fachlicher Austausch und passende Fortbildungen für Pädagogen unterstützen das Team dabei, Beobachtungen gemeinsam einzuordnen und Beteiligungsschritte sicher vorzubereiten.
Nehmen Sie eine konkrete Entscheidung aus Ihrer Gruppe: Woran erkennen Sie den Einfluss der Kinder, und wo endet er? Welche Fachkraft sorgt für die Rückmeldung? Besprechen Sie diese Fragen im Team, bevor Sie das nächste Beteiligungsangebot planen.
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