In vielen Kitas beginnt der Vormittag mit einer kleinen Geduldsprobe. Einige Kinder warten auf den nächsten Programmpunkt, andere laufen unruhig durch den Raum, und die geplante Bewegungsfläche fällt kleiner aus als gedacht. Genau hier können Bewegungsgeschichten mit Kindern einen verlässlichen Rahmen schaffen. Eine kurze Erzählung verbindet Sprache, Fantasie und körperliches Handeln, ohne dass dafür eine aufwendige Ausstattung nötig ist.
Damit aus dem Vorlesen mehr als ein nettes Ritual wird, braucht es klare Signale, passende Bewegungen, sichere Raumplanung und ein gutes Gespür für die Gruppe. Die Kinder hören zu, erkennen wiederkehrende Impulse und erleben, wie aus einzelnen Handlungen ein gemeinsames Spiel entsteht. Auch die Geschichte des Formats zeigt, warum solche Ansätze pädagogisch anschlussfähig sind. Bewegungs- und Sportkindergärten entstanden in Deutschland bereits in den 1970er-Jahren, unter anderem mit dem Sportkindergarten der Freiburger Turnerschaft in Freiburg im Breisgau im Jahr 1972 und dem Spiel- und Sportkindergarten des Osnabrücker Turnerbundes im Jahr 1974. Bewegung gilt dabei zunehmend als Medium der Persönlichkeitsentwicklung, nicht nur als Training motorischer Fähigkeiten. Das RKI-Themenblatt zur körperlichen Aktivität ordnet diese Entwicklung fachlich ein.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Bewegungsgeschichten im pädagogischen Alltag wirken
- Vorbereitung und sicherer Ablauf von Bewegungsgeschichten
- Altersgerechte Anpassung und inklusive Differenzierung
- Sofort einsetzbare Bewegungsgeschichten mit Textskripten
- Bewegungsförderung, Gruppensteuerung und Qualität im Alltag
- Praxistipps für den sicheren und gelingenden Start
Warum Bewegungsgeschichten im pädagogischen Alltag wirken
Eine Gruppe sitzt im Kreis, doch die Aufmerksamkeit wandert ständig. Ein Kind rutscht auf den Knien, ein anderes spricht dazwischen, zwei weitere warten ungeduldig auf den Wechsel in den Bewegungsraum. Die Fachkraft beginnt nicht mit einer langen Erklärung, sondern mit einem einfachen Bild: Die Gruppe reist gemeinsam durch einen Wald. Beim Wort „Bach“ steigen alle vorsichtig über einen gedachten Baumstamm, bei „Fuchs“ schleichen sie leise, bei „Höhle“ gehen sie in die Hocke.
Nach kurzer Zeit bewegt sich die Gruppe nicht unbedingt leise, aber gemeinsam. Die Kinder richten ihr Handeln auf dieselbe Geschichte aus. Dieses gemeinsame Bezugssystem macht Bewegungsgeschichten mit Kindern zu einem vielseitigen Werkzeug für Morgenkreis, Kleingruppe, Bewegungsstunde und Übergänge.

Sprache wird zum Bewegungssignal
Eine gute Bewegungsgeschichte besteht nicht aus möglichst vielen Aktionen. Sie arbeitet mit kurzen, vorhersehbaren Impulsen, die die Fachkraft klar mit einer Bewegung verbindet. Die Kinder müssen nicht lange überlegen, was sie tun sollen. Sie hören ein Signal, erkennen die Bedeutung und machen parallel mit.
Bewährt haben sich beispielsweise:
- Gehen: Die Kinder bewegen sich langsam durch den Raum oder im Kreis.
- Krabbeln: Ein niedriger Bewegungsimpuls wird auf einer freien Fläche ausgeführt.
- Balancieren: Eine gedachte Linie, ein Teppichrand oder eine sichere Markierung gibt die Richtung vor.
- Springen: Die Kinder springen an ihrem Platz oder über eine flache, sichere Linie.
- Tierimitationen: Die Gruppe schleicht wie eine Katze, stampft wie ein Bär oder flattert wie ein Vogel.
Die Fachkraft liest die Geschichte vorher vollständig, markiert Signalstellen und entscheidet, welche Bewegungen für die konkrete Gruppe realistisch sind. Fachliche Hinweise zur kleinschrittigen Vorbereitung und zum synchronen Mitmachen finden sich auch in den methodischen Empfehlungen zu Bewegungsgeschichten.
Praktische Regel: Die Geschichte führt die Bewegung. Die Bewegung darf die Geschichte nicht überrollen.
Der pädagogische Wert entsteht durch die Verbindung aus Orientierung und Wahlmöglichkeit. Ein Kind kann eine Bewegung zunächst beobachten, später eine kleine Variante ausprobieren und schließlich selbst einen Impuls vorschlagen. Das stärkt nicht automatisch jede Fähigkeit, eröffnet aber einen strukturierten Zugang zu Bewegung, Sprache, Rollenübernahme und sozialem Lernen. Weitere Anregungen zur Verbindung von Spiel und Lernen bietet der Beitrag zum spielerischen Lernen.
Für Einrichtungen ist außerdem die personelle Seite relevant. P1 Pädagogik unterstützt Kitas, Schulen, Jugendeinrichtungen und Wohngruppen bei Arbeitnehmerüberlassung und Personalvermittlung im pädagogischen Bereich. Eine Bewegungsgeschichte gelingt leichter, wenn eine Fachkraft die Gruppe aufmerksam führt, während eine zweite Person einzelne Kinder unterstützt oder den Raum im Blick behält.
Vorbereitung und sicherer Ablauf von Bewegungsgeschichten
Eine schöne Geschichte reicht nicht aus. Ohne Vorbereitung kann aus dem geplanten Bewegungsangebot schnell ein unübersichtliches Durcheinander werden. Prüfen Sie deshalb zuerst, wer teilnimmt, wo die Geschichte stattfindet und welche Intensität zur Tageszeit passt.
Für Bewegungsgeschichten im Kindergarten empfiehlt eine Fachquelle Gruppen von vier bis maximal acht Kindern im Alter von drei bis acht Jahren sowie einen ausreichend großen Bewegungsraum mit freier Fläche. Die Praxishinweise von Herder bieten dafür einen konkreten Orientierungsrahmen. Größere Gruppen sind möglich, erfordern aber meist klarere Zonen, zusätzliche Unterstützung oder eine reduzierte Bewegungsform.
Raum und Gruppe realistisch einschätzen
Bevor Sie beginnen, entfernen Sie Stolperquellen und legen Sie eine eindeutige Bewegungsrichtung fest. Bei wenig Platz bleiben die Kinder an ihrem Platz, bewegen sich im Kreis oder arbeiten in kleinen Reihen. Wilde Laufwege durch Türen, an Möbeln vorbei oder in Richtung Treppen gehören nicht in eine Bewegungsgeschichte.
Achten Sie auf rutschfeste Böden, ausreichend Abstand und eine gut sichtbare Fachkraft. Ein Rückzugsort oder ein ruhiger Randbereich hilft Kindern, die kurz pausieren müssen. Material ist nicht zwingend erforderlich. Wenn Sie Tücher, Reifen oder Alltagsgegenstände verwenden, sollten diese sicher, hygienisch und für alle Kinder erreichbar sein.
Die Geschichte in Signale übersetzen
Lesen Sie den Text zunächst vollständig. Gliedern Sie ihn danach in kurze Bewegungsabschnitte und markieren Sie feste Signalstellen. Ordnen Sie jedem Signal eine eindeutige Bewegung zu, etwa „Regen“ für Fingerspitzenklopfen, „Wind“ für seitliches Wiegen und „Sonne“ für das Strecken nach oben.
Führen Sie die Bewegungen kurz vor, bevor die eigentliche Geschichte startet. Lassen Sie die Kinder die Signale einmal ausprobieren. Während des Erzählens sprechen Sie anfangs langsamer, wiederholen wichtige Wörter und machen selbst mit. So sehen die Kinder nicht nur, was gemeint ist, sondern erhalten ein direktes Modell.
Sicherheitszeichen: Sobald ein Kind Schmerzen, deutliche Überforderung oder starke Reizung zeigt, wird die Bewegung angepasst oder unterbrochen.
Ein Startsignal und ein Endsignal geben dem Angebot einen verlässlichen Rahmen. Zwischen aktiveren Szenen liegen bewusste Pausen. Diese Pausen sind kein Leerlauf, sondern helfen den Kindern, die Körperspannung zu regulieren und wieder zuzuhören.

Kompakte Vorbereitungsliste
- Gruppe prüfen: Alter, Bewegungsniveau, Impulskontrolle und Unterstützungsbedarf berücksichtigen.
- Raum sichern: Freie Fläche schaffen, Laufwege begrenzen und Pausenplatz festlegen.
- Bewegungen auswählen: Wenige, eindeutig unterscheidbare Bewegungen verwenden.
- Material bereitlegen: Nur einsetzen, was sicher und für die gesamte Gruppe sinnvoll ist.
- Zeitpunkt wählen: Müdigkeit, Übergänge und die Aufmerksamkeit der Kinder beachten.
- Ablauf markieren: Text vollständig lesen, Signale festlegen und Pausen einplanen.
- Regeln besprechen: Abstand, Stoppsignal und Rücksichtnahme vor Beginn klären.
Bei Fragen zu Aufsicht, Raumgestaltung und organisatorischen Rahmenbedingungen hilft ein Blick in die rechtlichen Grundlagen für Kitas. Die konkrete Bewertung hängt immer von Einrichtung, Alter, Raum und Gruppensituation ab.
Eine visuelle Einführung kann den Ablauf ergänzen, ersetzt aber nicht die Vorbereitung durch die Fachkraft. Wer ein Beispiel für die Gestaltung von Bewegungsgeschichten ansehen möchte, kann dieses Video als Anregung nutzen:
Altersgerechte Anpassung und inklusive Differenzierung
Eine Bewegungsgeschichte sollte nicht für alle Kinder gleich aussehen müssen. Dasselbe Skript kann für jüngere Kinder kürzer, für ältere Kinder komplexer und für Kinder mit Förderbedarf übersichtlicher gestaltet werden. Differenzierung bedeutet nicht, weniger zu erwarten. Sie eröffnet einen passenden Zugang zur gemeinsamen Aufgabe.
Bei drei- bis vierjährigen Kindern funktionieren kurze Handlungen, vertraute Tiere und häufige Wiederholungen. Ein Kind bewegt sich beispielsweise wie ein Hase mit kleinen Hüpfern oder wie eine Schildkröte langsam auf allen vieren. Die Fachkraft spricht mit kurzen Sätzen und hält die Bewegungsabfolge stabil.
Fünf- bis sechsjährige Kinder können bereits Richtungen, Rollen und kleine Regelwechsel aufnehmen. Sie dürfen entscheiden, ob sie einen Bach überspringen, über eine gedachte Brücke balancieren oder unter einem Ast hindurchkrabbeln. Ältere Kinder können eigene Bewegungen erfinden, Geräusche passend einsetzen, eine Figur übernehmen oder das Ende der Geschichte mitgestalten.

Dieselbe Geschichte in verschiedenen Varianten
| Entwicklungsbedarf | Anpassung der Bewegung | Geeignete Unterstützung |
|---|---|---|
| Jüngere Kinder | Kurze Wege, langsame Wechsel, bekannte Tiere | Vormachen, Wiederholen, feste Signalwörter |
| Ältere Kinder | Richtungswechsel, Rollen, eigene Geräusche | Wahlmöglichkeiten und kleine Gestaltungsaufträge |
| Motorischer Förderbedarf | Kleine Bewegungsradien, Sitzen oder Stehen am Platz | Wand, Stuhl oder feste Bezugsperson als Orientierung |
| Sprachlicher Förderbedarf | Wenige Schlüsselwörter und klare Gesten | Bildkarten, Bewegungsmodell und Wiederholungen |
| Sensorischer Unterstützungsbedarf | Leisere Impulse und vorhersehbare Übergänge | Rückzugsort, Stoppsignal und Pausen |
| Sozialer Unterstützungsbedarf | Feste Rolle und überschaubare Partneraufgabe | Begrenzte Auswahl und positive Rückmeldung |
Ein Kind muss nicht springen, um beteiligt zu sein. Es kann stattdessen stampfen, klatschen, eine Handbewegung zeigen oder nur zuhören und an einer passenden Stelle das Signal wiederholen. Bei einer Einzelbegleitung wird die Geschichte stark verkürzt und direkt auf die Reaktion des Kindes abgestimmt. In einer Kleingruppe können zwei Bewegungsvarianten parallel angeboten werden, ohne die Kinder öffentlich in „richtig“ und „falsch“ einzuteilen.
Die Gruppengröße verändert ebenfalls die Methode. Im Kreis eignet sich eine Bewegung am Platz. In einer kleinen Gruppe können Sie Wege, Balanceaufgaben oder Rollen einbauen. Bei einer größeren Gruppe reduzieren Sie die Laufbewegungen und arbeiten mit klaren Zonen oder synchronen Gesten.
Weitere fachliche Anregungen zur Anpassung von Lern- und Bewegungsangeboten finden Sie bei der Differenzierung im Unterricht. Entscheidend bleibt die Beobachtung: Welche Anpassung entlastet die Gruppe und stärkt gleichzeitig die Teilhabe aller Kinder?
Sofort einsetzbare Bewegungsgeschichten mit Textskripten
Die folgenden Gerüste funktionieren ohne besonderes Material. Lesen Sie den Text zunächst ruhig vor, zeigen Sie die Bewegungen und vereinbaren Sie ein Stoppsignal. Die Formulierungen dürfen verändert werden, wenn Kinder eigene Ideen einbringen oder eine Szene für die Gruppe zu anspruchsvoll wird.
Die Reise durch den Wald
Diese kurze Geschichte eignet sich für eine kleine Gruppe und einen freien Raum. Die Kinder bewegen sich zunächst im Kreis oder auf einer festgelegten Strecke. Legen Sie vorher fest, dass niemand überholt und bei „Waldruhe“ sofort stehen bleibt.
Textskript
„Wir gehen gemeinsam in den Wald. Wir setzen einen Fuß vor den anderen und schauen aufmerksam auf den Weg.“
Bewegung: Langsam gehen.
„Vor uns liegt ein schmaler Baumstamm. Wir breiten die Arme aus und balancieren vorsichtig darüber.“
Bewegung: Arme seitlich ausstrecken, langsam auf einer Linie gehen.
„Der Weg führt unter tiefen Ästen hindurch. Wir machen uns klein und krabbeln ein Stück.“
Bewegung: In die Hocke gehen oder auf allen vieren krabbeln.
„Plötzlich entdecken wir drei große Steine. Wir springen von Stein zu Stein.“
Bewegung: Kleine Sprünge am Platz oder über gedachte Markierungen.
„Im Gebüsch raschelt es. Ein Fuchs schleicht leise an uns vorbei.“
Bewegung: Leise schleichen, Hände vor den Körper nehmen.
„Da ruft der Uhu. Wir bleiben stehen, werden ganz still und hören in den Wald.“
Bewegung: Stoppen, Hände an die Ohren legen, Pause.
„Die Waldtiere kommen heraus. Wir bewegen uns wie das Tier, das uns am besten gefällt.“
Bewegung: Freie, aber kontrollierte Tierimitation.
„Nun gehen wir langsam zurück. Der Wald wird ruhig, und unsere Schritte werden immer kleiner.“
Bewegung: Langsames Gehen, anschließend in den Kreis zurückkehren.
Variationen
- Für jüngere Kinder: Lassen Sie nur Gehen, Krabbeln und eine Tierbewegung vorkommen. Wiederholen Sie die Folge, statt neue Szenen anzuhängen.
- Für ältere Kinder: Ein Kind darf das Tier auswählen oder eine sichere Bewegungsart vormachen, die alle übernehmen.
- Für Kinder mit Förderbedarf: Balancieren kann im Sitzen mit ausgestreckten Armen stattfinden. Beim Krabbeln genügt eine Handbewegung unter dem gedachten Ast.
Wenn der Raum klein ist, bleiben alle Kinder an ihrem Platz. Die Reise entsteht dann durch Körperhaltung, Arme, Gesichtsausdruck und Geräusche. Die Ideen zum Fingerspiel mit Farben können als ruhige Ergänzung für einen Übergang genutzt werden, wenn die Gruppe nach der Geschichte wieder sammeln soll.
Die Fahrzeugreise
Für ältere Kinder eignet sich eine Fahrzeuggeschichte mit Richtungs- und Tempowechseln. Markieren Sie eine Fahrtrichtung und verwenden Sie keine Gegenstände, die zum Rennen oder Schieben einladen. Die Kinder können am Platz „fahren“ oder sich langsam auf einer gemeinsamen Spur bewegen.
Textskript
„Unsere Fahrzeuge starten. Wir prüfen die Räder, setzen uns hinein und fahren ganz langsam los.“
Bewegung: Knie beugen, Hände wie an ein Lenkrad nehmen, langsam gehen.
„Die Straße wird breit. Wir fahren schneller, aber wir bleiben auf unserer Spur.“
Bewegung: Zügiger gehen, ohne zu rennen.
„Eine Kurve kommt. Wir drehen unseren Körper vorsichtig nach rechts und danach nach links.“
Bewegung: Kontrollierte Richtungswechsel.
„An der Ampel leuchtet Rot. Alle Fahrzeuge halten an.“
Bewegung: Sofort stehen bleiben.
„Die Ampel wird Grün. Wir fahren wieder los und machen unser eigenes Fahrzeuggeräusch.“
Bewegung: Losgehen, leises individuelles Geräusch.
„Vor uns liegt eine holprige Straße. Wir beugen und strecken die Knie, ohne den Platz zu verlassen.“
Bewegung: Kleine Kniebewegungen.
„Ein Tunnel kommt. Wir machen uns klein und fahren langsam hindurch.“
Bewegung: In die Hocke gehen oder nur den Oberkörper senken.
„Das Ziel ist erreicht. Die Motoren werden leiser, die Fahrzeuge stehen still.“
Bewegung: Bewegungen verlangsamen, ruhig stehen oder sitzen.
Variationen
- Kooperativ: Ein Kind ist die Ampel und zeigt mit einer vereinbarten Geste Rot, Gelb oder Grün.
- Sprachlich: Die Kinder benennen Fahrzeugarten, Richtungen oder passende Geräusche.
- Reizärmer: Geräusche werden durch Handzeichen ersetzt, und die Fahrbewegung bleibt langsam.
Die Wetterreise
Die Wetterreise eignet sich für einen ruhigeren Abschluss oder für eine Gruppe, die nach einer aktiven Phase wieder zur Ruhe kommen soll. Sie funktioniert im Sitzen, Stehen oder mit kleinen Bewegungen am Platz.
Textskript
„Die Sonne geht auf. Wir strecken die Arme nach oben und spüren, wie der Tag beginnt.“
Bewegung: Langsam nach oben strecken.
„Ein leichter Wind kommt. Wir wiegen uns vorsichtig von einer Seite zur anderen.“
Bewegung: Seitliches Wiegen.
„Die ersten Regentropfen fallen. Sie tippen ganz leise auf unsere Schultern und Knie.“
Bewegung: Mit den Fingerspitzen sanft tippen.
„Der Regen wird stärker. Unsere Hände klopfen etwas kräftiger, doch wir achten aufeinander.“
Bewegung: Rhythmisches Klopfen auf Oberschenkel oder Hände.
„Ein Sturm zieht auf. Wir machen uns klein und halten uns fest.“
Bewegung: In eine geschützte Haltung gehen.
„Der Sturm zieht weiter. Wir richten uns langsam auf und atmen ruhig ein und aus.“
Bewegung: Langsam aufrichten, bewusst atmen.
„Die Sonne kommt zurück. Wir öffnen die Arme und werden ganz still.“
Bewegung: Arme öffnen, kurze Pause.
Variationen
- Für eine große Gruppe: Alle bleiben an ihrem Platz und führen nur Gesten, Klopfen und Körperhaltungen aus.
- Für jüngere Kinder: Beschränken Sie die Geschichte auf Sonne, Regen und Wind.
- Für sensorisch empfindliche Kinder: Lassen Sie lautes Klopfen aus und bieten Sie stilles Tippen oder Beobachten an.
Wiederholen Sie zentrale Sätze bewusst. Eine feste Formulierung wie „Wir werden ganz still“ kann zum verlässlichen Signal für eine Pause werden. So bleibt das Skript offen für Fantasie, ohne seine Orientierung zu verlieren.
Bewegungsförderung, Gruppensteuerung und Qualität im Alltag
Bewegungsgeschichten sind kein Ersatz für freie Bewegung, den Außenbereich oder eine vielseitige Bewegungsplanung. Sie können jedoch eine niedrigschwellige Ergänzung sein, wenn eine Gruppe gemeinsam aktiv werden, Sprache aufnehmen und Übergänge bewältigen soll.
Die Daten zur körperlichen Aktivität in Deutschland machen den Bedarf sichtbar. Nach KiGGS Welle 2 aus den Jahren 2014 bis 2017 erreichen nur 26 % der Kinder und Jugendlichen die WHO-Empfehlung von mindestens 60 Minuten körperlicher Aktivität pro Tag. Bei den drei- bis sechsjährigen Kindern liegt der Anteil bei 46 %, bei den 14- bis 17-Jährigen bei 12 %. Diese Angaben sind im Angebot zu Bewegungsgeschichten von VIBSS zusammengefasst.
Daraus folgt keine Garantie, dass eine einzelne Geschichte die Bewegungsempfehlung erfüllt. Ihr Wert liegt darin, dass sie Bewegung in Situationen bringt, in denen sonst vielleicht nur gewartet, gesessen oder übergeleitet würde.

Qualität zeigt sich an der Dosierung
Eine bewegungsreiche Geschichte muss nicht durchgehend schnell und laut sein. Gute Angebote wechseln zwischen Aktivierung, Wahrnehmung, Pause und erneutem Handeln. Wiederholungen geben Sicherheit, während kleine Variationen Interesse und Mitgestaltung ermöglichen.
In der RKI-Bestandsaufnahme zur Bewegungsförderung in Kitas wird berichtet, dass fast alle Einrichtungen täglich mindestens eine Stunde freie Bewegungszeit ermöglichen, aber nur 23,3 % eine ebenso lange strukturierte Bewegungszeit anbieten. Als förderliche Faktoren nennt die RKI-Bestandsaufnahme im BeWeKi-Projekt unter anderem Teamaustausch, ausreichende Bewegungsflächen und das aktive Mitbewegen des Personals. Für Bewegungsgeschichten heißt das: Das Format braucht einen festen Platz im Konzept und eine Fachkraft, die nicht nur spricht, sondern aufmerksam mitführt.
Mögliche Einsatzorte im Tagesablauf sind:
- Nach dem Ankommen: Eine kurze Geschichte hilft, Körper und Aufmerksamkeit in der Gruppe zu sammeln.
- Zwischen Einheiten: Ein kurzer Bewegungsimpuls kann sitzende Phasen unterbrechen.
- Vor dem Essen: Ruhige Bewegungen und ein klares Ende unterstützen den Übergang.
- Als Abschluss: Eine Wetterreise oder Waldruhe führt in eine entspannte Gesprächsrunde.
Teams sollten nach dem Angebot nicht nur fragen, ob die Kinder Spaß hatten. Wichtiger sind Beobachtungen: Welche Signale wurden verstanden? Wo entstanden Wartezeiten? Welche Bewegung schloss Kinder aus? War die Lautstärke passend? Ideen aus der Zirkuspädagogik können zusätzliche Impulse für Rollen, Ausdruck und Kooperation liefern, sollten aber ebenfalls an Raum und Gruppe angepasst werden.
Praxistipps für den sicheren und gelingenden Start
Starten Sie mit einer kurzen Geschichte und wenigen Signalen. Ein klares Anfangszeichen, eine wiederkehrende Ruheformel und ein gemeinsames Endsignal reichen für den ersten Versuch völlig aus. Steigern Sie die Intensität langsam, besonders wenn die Kinder aus einer ruhigen Phase kommen.
Wird die Gruppe unruhig, stoppen Sie den Text und führen Sie die bekannte Ruhebewegung aus. Bei wenig Platz wechseln Sie zu Bewegungen im Sitzen oder am eigenen Standort. Möchte ein Kind nicht mitmachen, darf es zunächst zuhören, beobachten, ein Signal zeigen oder später einsteigen. Wenn die Geschichte länger dauert als geplant, lassen Sie eine Szene aus und führen Sie direkt zum Abschluss.
Material brauchen Sie nicht zwingend. Alltagsgegenstände sind nur sinnvoll, wenn sie sicher, hygienisch und für alle Kinder gut nutzbar sind. Besprechen Sie im Team, welche Bewegungen zuverlässig funktionieren, welche Kinder Pausen benötigen und wie sich die Geschichte beim nächsten Mal verändern lässt.
P1 Pädagogik beschäftigt pädagogische Fachkräfte unbefristet nach BAP/DGB-Tarif, zahlt übertariflich, häufig über TVöD, und begleitet Mitarbeitende persönlich durch feste Ansprechpartner sowie digital per App. Für Einrichtungen vermittelt der Dienstleister bundesweit qualifiziertes Personal für Kitas, Schulen und soziale Einrichtungen.
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