Politische Bildung Schule einfach erklärt und umgesetzt

Zwischen Pausenhof, Gruppenraum und Unterrichtsgespräch entstehen täglich politische Fragen: Wer entscheidet, welches Spiel gespielt wird? Warum darf eine Person nicht mitmachen? Wie gehen wir mit einer Nachricht um, die in einer Chatgruppe geteilt wurde? Viele pädagogische Fachkräfte möchten Kinder und Jugendliche zu demokratischer Teilhabe befähigen, sind aber unsicher, wie sie kontroverse Themen altersgerecht aufgreifen können.

Politische Bildung in der Schule beginnt nicht erst bei Parteien, Wahlen oder Verfassungsartikeln. Sie beginnt dort, wo Kinder erleben, dass ihre Stimme zählt, Regeln begründet werden und unterschiedliche Sichtweisen ausgehalten werden. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie politische Bildung als verlässlichen Bestandteil des pädagogischen Alltags gestalten können, auch wenn Sie kein Politikstudium absolviert haben.

Inhaltsverzeichnis

Warum politische Bildung in der Schule heute unverzichtbar ist

Eine Klasse diskutiert über eine Nachricht aus sozialen Medien. Ein Schüler behauptet, eine bestimmte Gruppe sei „immer schuld“. Eine andere Schülerin widerspricht, wird aber unterbrochen. Die Lehrkraft steht vor einer schwierigen Aufgabe: Sie muss Orientierung geben, darf aber nicht einfach eine fertige Meinung vorgeben. Gleichzeitig darf das Gespräch nicht in Abwertung oder Schweigen enden.

Solche Situationen sind keine Störung neben dem Unterricht. Sie sind Lerngelegenheiten für politische Bildung. Kinder und Jugendliche üben dabei, Behauptungen zu prüfen, Gründe zu nennen, andere Perspektiven wahrzunehmen und Regeln für ein faires Gespräch einzuhalten. Diese Fähigkeiten helfen nicht nur im Fachunterricht, sondern auch im Klassenrat, in der Pause, in der Kita-Gruppe und später im gesellschaftlichen Leben.

Eine Umfrage zu „Jugend, Schule und Demokratie“ zeigt eine wichtige Spannung: 69 % der Befragten gaben an, dass Demokratie in den vergangenen sechs Monaten Unterrichtsthema war. Gleichzeitig vertrauten nur 22 % darauf, dass Demokratie aktuelle wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Probleme lösen kann. Die Ergebnisse finden Sie in den Umfrageergebnissen zu Jugend, Schule und Demokratie.

Wissen allein reicht nicht aus

Wenn Demokratie nur als Kapitel im Buch erscheint, bleibt sie für viele Lernende abstrakt. Sie kennen dann vielleicht Begriffe wie Parlament, Grundrechte oder Wahl, wissen aber nicht unbedingt, wie sie selbst eine Entscheidung beeinflussen, einen Konflikt sachlich ansprechen oder eine gemeinsame Lösung mitgestalten können.

Wirksame politische Bildung verbindet deshalb drei Erfahrungen:

  • Verstehen: Kinder lernen, wie Regeln, Institutionen und gesellschaftliche Entscheidungen funktionieren.
  • Urteilen: Sie vergleichen Informationen, erkennen Interessen und begründen eine eigene Position.
  • Handeln: Sie erleben, dass Beteiligung konkrete Folgen haben kann.

In der Kita kann das die gemeinsame Entscheidung über ein neues Gruppenspiel sein. In der Schule kann es ein Schülerparlament, ein Projekt zur Medienkritik oder eine Diskussion über die Gestaltung des Schulhofs sein.

Politische Bildung wird glaubwürdig, wenn Kinder nicht nur über Demokratie sprechen, sondern Demokratie im Alltag erfahren.

Dafür brauchen Einrichtungen Zeit, klare Routinen und Fachkräfte, die Gespräche sicher moderieren. Gerade bei kurzfristigen Personalengpässen ist es wichtig, dass demokratische Strukturen nicht von einzelnen Personen abhängen. Pädagogische Teams profitieren von verlässlicher Unterstützung, gemeinsamer Reflexion und Fachkräften, die Beteiligung als festen Bestandteil ihrer Arbeit verstehen.

Was politische Bildung in der Schule bedeutet und bewirken soll

In Klassenratsrunden lernen Kinder einen demokratischen Mechanismus unmittelbar kennen: Sie vereinbaren Regeln, übernehmen feste Rollen, hören unterschiedliche Sichtweisen und treffen Entscheidungen, die die Gruppe tragen muss. Solche Erfahrungen zeigen, weshalb politische Bildung mehr umfasst als das Auswendiglernen von Begriffen.

Sie vermittelt Wissen über Staat, Gesellschaft, Geschichte und Rechte. Zugleich lernen Kinder und Jugendliche, politische und gesellschaftliche Fragen zu beurteilen, Interessen zu erkennen und sich an Entscheidungen zu beteiligen. Demokratiebildung richtet dabei den Blick stärker auf die gelebte Kultur des Miteinanders. Historisch-politische Bildung erschliesst Zusammenhänge zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Eine Infografik zur politischen Bildung in Deutschland, die wichtige Meilensteine und gesetzliche Rahmenbedingungen übersichtlich darstellt.

Ziel, Gegenstand und Praxis

Die Kultusministerkonferenz beschreibt Demokratiebildung ausdrücklich als schulischen Auftrag. Schülerinnen und Schüler sollen durch schulische Bildung zu Freiheit, Demokratie, Menschenrechten, Gerechtigkeit, wirtschaftlicher Sicherheit und Frieden ermutigt werden, wie die KMK zur Demokratiebildung festhält.

Diese Werte werden wirksam, wenn sie im Unterricht, in Regeln und in Beziehungen erkennbar sind. Spricht eine Klasse über faire Bewertung, wird Gerechtigkeit konkret. Formulieren Kinder eine Gruppenregel selbst, üben sie Beteiligung. Prüfen Jugendliche eine diskriminierende Aussage, verbinden sie Menschenrechte mit dem Schutz der Würde.

Politische Bildung hat drei Seiten:

  1. Sie ist Ziel, weil junge Menschen zu mündigen und verantwortungsbewussten Mitgliedern der Gesellschaft werden sollen.
  2. Sie ist Gegenstand, weil politische Institutionen, historische Entwicklungen und gesellschaftliche Konflikte Wissen erfordern.
  3. Sie ist Praxis, weil Schule selbst ein Ort gemeinsamer Entscheidungen, Regeln und Verantwortung ist.

Ein Lernort für demokratische Erfahrung

Schule steht mitten in der Gesellschaft. Konflikte, Ungleichheiten, Mediennutzung und Fragen nach Zugehörigkeit gelangen mit den Kindern in den Klassenraum. Das gilt in verschiedenen Schulformen und Bundesländern unter unterschiedlichen Bedingungen. Fachkräfte können solche Situationen aufgreifen, auch ohne Politikstudium und ohne jede Alltagsszene in ein grosses Seminar zu verwandeln.

Oft reicht ein kurzer Gesprächskreis mit einer klaren Frage: Wer war beteiligt? Welche Regel galt? Was wäre eine faire Lösung? Ein sichtbares Abstimmungsergebnis, wechselnde Gesprächsrollen oder ein gemeinsam überprüfter Klassenrat machen Beteiligung niedrigschwellig und wiederholbar.

Entscheidend ist, dass Kinder erkennen: Meine Sicht wird gehört, andere Sichtweisen werden geprüft, und gemeinsame Entscheidungen folgen nachvollziehbaren Regeln. So wächst politische Bildung aus konkreten Erfahrungen, die Kita und Schule Schritt für Schritt verlässlich gestalten können.

Rechtlicher Rahmen und Lehrpläne für politische Bildung in Deutschland

Für die Praxis hilft eine klare Zuständigkeit: Die Kultusministerkonferenz setzt einen gemeinsamen Orientierungsrahmen, die Bundesländer gestalten die konkrete Umsetzung. Lehrpläne, Stundentafeln und Schulprogramme unterscheiden sich deshalb je nach Bundesland und Schulform.

Der KMK-Beschluss „Demokratie als Ziel, Gegenstand und Praxis historisch-politischer Bildung und Erziehung in der Schule“ wurde ursprünglich am 06.03.2009 beschlossen und am 11.10.2018 neu gefasst. Seit 2018 ist politische Bildung ausdrücklich als Querschnittsaufgabe verankert. Der 16. Kinder- und Jugendbericht mit dem entsprechenden KMK-Bezug ordnet diese Entwicklung ein.

Eine Infografik zu Lernzielen und Kompetenzen, unterteilt in die Bereiche Wissen, Handeln und Reflektieren der politischen Bildung.

Was Querschnittsaufgabe konkret heisst

Politische Bildung betrifft alle allgemeinbildenden Schulen und mehrere Lernbereiche. Die Empfehlungen verbinden historisch-politische Bildung, Menschenrechtsbildung und den Umgang mit Digitalisierung. Politische Fragen können deshalb in Geschichte, Deutsch, Sachunterricht, Religion, Ethik, Kunst, Informatik und im sozialen Lernen aufgegriffen werden.

Die KMK-Stellungnahme zur Demokratiebildung empfiehlt ein durchgängiges Unterrichtsangebot in Politik und Geschichte, ein Spiralcurriculum von der Grundschule bis zum Ende der Sekundarstufe I sowie Demokratiebildung als fächerübergreifendes Prinzip.

Ein Spiralcurriculum führt dasselbe Thema über die Jahrgangsstufen hinweg immer wieder zurück, vertieft es aber mit komplexeren Perspektiven. Regeln und Mitbestimmung können in der Grundschule beginnen. In der Sekundarstufe I kommen Institutionen, Medien und gesellschaftliche Konflikte hinzu, die Lernende zunehmend eigenständig untersuchen.

Föderale Unterschiede realistisch einordnen

Die rechtliche Verankerung garantiert nicht automatisch gleiche Lernchancen. Empirische Vergleiche zeigen Unterschiede zwischen Bundesländern und Schulformen. In Sachsen macht das Leitfach politischer Bildung in der gymnasialen Sekundarstufe I etwa 2,0 % der gesamten Lernzeit aus, in der nicht-gymnasialen Sekundarstufe I rund 2,1 %. Nordrhein-Westfalen liegt in einem bundesweiten Vergleich an der Spitze, während 14 Bundesländer mindestens 1,7 % der Lernzeit für politische Bildung vorsehen. Diese Angaben stammen aus der FES-Auswertung zur politischen Bildung.

Gerade in Schulformen mit weniger eigenem Politikunterricht bieten fächerübergreifende Beteiligungsroutinen einen Ausgleich. Ein kurzer Klassenrat, eine begründete Abstimmung oder wechselnde Gesprächsrollen lässt sich ohne Politikstudium einführen und regelmässig nutzen.

Teams können politische Bildung im Schulprogramm sichtbar machen, gemeinsame Zeiten festlegen und Zuständigkeiten klären. Hilfreich ist, den Begriff Partizipation in der Pädagogik gemeinsam zu klären, damit Kinder, Jugendliche und Fachkräfte dieselben Erwartungen an Beteiligung verbinden.

Ziele und Kompetenzen die politische Bildung vermittelt

Politische Bildung entwickelt sich nicht auf einmal. Kinder und Jugendliche bauen Kompetenzen auf, die einander ergänzen. Wer eine Entscheidung beurteilen soll, braucht zunächst Informationen. Wer Informationen einordnet, muss verschiedene Interessen erkennen. Wer sich beteiligt, braucht schliesslich Mut, Sprache und passende Formen des Handelns.

Wissen und Verstehen

Politisches Wissen umfasst mehr als Namen und Institutionen. Lernende sollten verstehen, wer in einer Schule, einer Kommune oder einem Staat Entscheidungen trifft, welche Rechte Menschen haben und warum Regeln begründet werden müssen.

Ein Grundschulkind kann beispielsweise untersuchen, wer über die Nutzung eines Raums entscheidet. Jugendliche können zusätzlich fragen, welche Interessen beteiligt sind, welche Informationen fehlen und welche Verfahren eine Entscheidung legitim machen.

Reflektieren und urteilen

Urteilsfähigkeit zeigt sich, wenn Schülerinnen und Schüler nicht nur sagen „Das ist unfair“, sondern erklären können, woran sie die Ungerechtigkeit festmachen. Dazu gehören Perspektivwechsel, das Prüfen von Quellen und die Bereitschaft, ein eigenes Urteil bei neuen Argumenten zu überdenken.

Die ICCS-2022-Auswertung berichtet für Deutschland bei 14-Jährigen ein im Vergleich leicht überdurchschnittliches politisches Wissen. Gleichzeitig bestehen grosse Ungleichheiten bei den Lernchancen zwischen Schulen, und deutsche Schulen gleichen ungleiche Startbedingungen schlechter aus als viele andere Bildungssysteme. Die Auswertung zu ICCS 2022 in Deutschland macht damit deutlich, warum ein verbindlicher Zugang für alle Schulformen wichtig ist.

Eine Infografik erklärt drei didaktische Prinzipien der politischen Bildung: Überwältigungsverbot, Pluralismusprinzip und Schülerorientierung für den Unterricht.

Handeln und partizipieren

Handlungskompetenz bedeutet, dass Lernende ihre Anliegen ausdrücken, Vorschläge entwickeln und an einer Lösung mitarbeiten können. Das kann ein Antrag im Klassenrat sein, ein Brief an die Schulleitung oder eine gemeinsam geplante Aktion für den Schulhof.

Dabei entsteht Selbstwirksamkeit nicht durch ein symbolisches Mitspracherecht. Kinder müssen erkennen, was mit ihrem Vorschlag geschieht. Wird er angenommen, verändert sich etwas. Wird er abgelehnt, wird die Entscheidung begründet. So lernen sie, dass Beteiligung auch dann sinnvoll ist, wenn das Ergebnis nicht den eigenen Wunsch erfüllt.

Merksatz: Politische Bildung verbindet Wissen, begründetes Urteilen und verantwortliches Handeln.

Medienkompetenz gehört ebenfalls dazu. Kinder und Jugendliche sollten Fragen stellen: Wer hat diese Information erstellt? Welche Interessen könnten dahinterstehen? Welche Belege gibt es? Für die Kita kann das die Unterscheidung zwischen eigener Beobachtung und einer erfundenen Geschichte sein. In der Sekundarstufe kann daraus eine Quellenprüfung zu einem Social-Media-Beitrag werden.

Praxisnah ist die Verbindung mit Kinderrechten. Ein Team kann gemeinsam prüfen, wie Kinderrechte in der Kita im Tagesablauf sichtbar werden, etwa bei Ruhezeiten, Raumgestaltung, Beschwerdemöglichkeiten und Entscheidungen über gemeinsame Aktivitäten.

Als Ergänzung können Fachkräfte das folgende Video nutzen, um didaktische Prinzipien und Gesprächsanlässe gemeinsam zu reflektieren.

Didaktische Prinzipien und Methoden für wirksamen Politikunterricht

Gute politische Bildung braucht eine klare Haltung. Fachkräfte müssen nicht jede politische Frage sofort beantworten können. Sie sollten aber Gesprächsräume schaffen, in denen Kinder und Jugendliche sicher lernen, widersprechen und ihre Position weiterentwickeln können.

Übersicht zu didaktischen Prinzipien und Methoden für einen wirksamen und reflektierten Politikunterricht an Schulen.

Der Beutelsbacher Konsens im Alltag

Die bpb-Darstellung des Beutelsbacher Konsenses nennt drei Grundsätze:

  • Überwältigungsverbot: Lehrkräfte dürfen Lernende nicht indoktrinieren oder mit einer eigenen Position überrollen.
  • Kontroversitätsgebot: Was in Wissenschaft und Gesellschaft kontrovers ist, soll auch im Unterricht kontrovers erscheinen.
  • Schülerorientierung: Unterricht soll an den Interessen, Fragen und Lebenswelten der Lernenden anknüpfen.

Das bedeutet nicht, dass Lehrkräfte vollständig neutral bleiben müssen. Sie dürfen menschenfeindliche oder demokratiefeindliche Aussagen einordnen und Grenzen setzen. Entscheidend ist, dass sie keine einseitige politische Überwältigung erzeugen und unterschiedliche begründete Positionen sichtbar machen.

Methoden mit niedriger Einstiegshürde

Der Klassenrat eignet sich als feste Routine. Die Lernenden sammeln Anliegen, setzen eine Reihenfolge fest, diskutieren Lösungsvorschläge und halten Entscheidungen fest. Beginnen Sie mit einer überschaubaren Frage, etwa der Gestaltung eines gemeinsamen Arbeitsbereichs.

Die Dilemma-Diskussion nutzt eine Situation ohne einfache Antwort. Beispiel: Soll eine Schule eine Regel einführen, die Sicherheit erhöht, aber individuelle Freiheit einschränkt? Die Gruppe sammelt Argumente, ordnet Interessen und prüft Folgen.

Das Rollenspiel macht Perspektiven erfahrbar. Lernende übernehmen unterschiedliche Rollen, etwa Anwohnerinnen, Jugendliche, Verwaltung und Geschäftsleute. Nach dem Spiel folgt die Auswertung: Welche Interessen waren sichtbar? Welche Rolle fiel schwer? Welche Argumente haben überzeugt?

Projektarbeit verbindet Recherche, Kooperation und Öffentlichkeit. Eine Klasse kann Informationen zu einem lokalen Thema sammeln, Interviews vorbereiten und Ergebnisse als Ausstellung, Podcast oder Erklärvideo aufbereiten.

Fachübergreifendes Arbeiten verhindert, dass politische Bildung an einer einzelnen Stunde hängt. Im Deutschunterricht werden Argumente formuliert, in Mathematik werden Diagramme kritisch gelesen, in Kunst werden politische Botschaften gestaltet. Auch interkulturelle Pädagogik bietet Anknüpfungspunkte, wenn unterschiedliche Erfahrungen, Zugehörigkeiten und Perspektiven besprochen werden.

Beginnen Sie klein. Beobachten Sie, ob mehr Kinder zu Wort kommen, ob Argumente genauer werden und ob Entscheidungen nachvollziehbarer dokumentiert sind. Diese Hinweise zeigen, ob eine Methode Wirkung entfaltet.

Praxisideen und Projekte für Kita und Schule zum direkten Umsetzen

Politische Bildung wird greifbar, wenn eine Einrichtung mit einer konkreten Frage startet. Entscheidend sind kein aufwendiges Materialpaket und keine perfekte Inszenierung, sondern ein klarer Ablauf, echte Entscheidungsspielräume und eine kurze Reflexion.

Kita

Kinderkonferenz zur Raumgestaltung

  • Ziel: Kinder erleben, dass ihre Bedürfnisse gehört und abgewogen werden.
  • Ablauf: Sammeln Sie Wünsche mit Bildern oder Gegenständen. Lassen Sie die Kinder begründen, wählen und anschliessend gemeinsam prüfen, was umgesetzt werden kann.
  • Dauer: Eine kurze Gesprächsrunde plus praktische Umsetzung.
  • Dokumentation: Fotografieren Sie die vorherige und die veränderte Raumgestaltung und halten Sie Kinderäusserungen fest.

Abstimmungsritual für den Alltag

Wählen Sie eine überschaubare Entscheidung, etwa das nächste Bewegungsspiel. Wichtig ist, dass die Fachkraft nicht nur Stimmen zählt, sondern auch erklärt, wie die Minderheit berücksichtigt werden kann. So wird aus einem Handzeichen eine erste Erfahrung mit Mehrheitsentscheidung und Rücksichtnahme.

Grundschule und Sekundarstufe I

Schülerparlament oder Klassenrat

Die Klasse sammelt Anliegen, formuliert Anträge und bestimmt eine Gesprächsleitung. Ein Protokoll hält fest, wer was bis wann prüft. Wirkung entsteht, wenn die Schulleitung Rückmeldungen gibt, auch wenn ein Vorschlag nicht umgesetzt werden kann.

Zeitungsprojekt

Gruppen vergleichen Berichte zu einem Thema, markieren Fakten und Meinungen und untersuchen Überschriften oder Bildauswahl. Anschliessend erstellen sie eine eigene Nachricht mit nachvollziehbaren Quellen. Das verbindet politische Bildung mit Medien- und Sprachkompetenz.

Juniorwahl oder Wahlwerkstatt

Wenn ein passendes schulisches Format verfügbar ist, können Lernende Wahlprogramme vergleichen, Fragen entwickeln und eine Entscheidung simulieren. Besprechen Sie danach nicht nur das Ergebnis, sondern auch Wahlgrundsätze, Informationsquellen und die Grenzen einer solchen Simulation.

Sekundarstufe II und berufliche Schulen

Planspiel zu einer politischen Entscheidung

Lernende übernehmen Rollen in Fraktionen, Ausschüssen oder Interessengruppen. Sie bereiten Positionen vor, verhandeln und reflektieren anschliessend, wie Kompromisse entstehen. Eine vereinfachte Variante funktioniert auch mit wenigen Materialien und einem lokalen Thema.

Gedenkstättenbesuch mit Vor- und Nachbereitung

Ein Besuch sollte nicht bei der Führung enden. Vorab sammeln die Jugendlichen Fragen, während des Besuchs dokumentieren sie Beobachtungen und danach prüfen sie, welche Verbindung zwischen Geschichte, Menschenrechten und heutiger Verantwortung besteht.

Gerade berufliche Schulen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Die FES-Publikation zum ungleichen Zugang zu politischer Bildung nach Schulform verweist auf eine deutliche Diskrepanz zwischen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen. Projekte sollten deshalb an Ausbildung, Betrieb und Alltag anknüpfen, etwa an Mitbestimmung, Arbeitsrechte, digitale Kommunikation oder kommunale Entscheidungen.

Dokumentieren Sie nicht nur Ergebnisse. Halten Sie auch fest, wer gesprochen hat, welche Perspektiven fehlten und wie Entscheidungen begründet wurden.

Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger können mit einer Teamhospitation beginnen. Beobachten Sie eine Sitzung, notieren Sie Gesprächsanteile und besprechen Sie danach drei Fragen: Wer hatte Einfluss? Welche Regel hat geholfen? Wo braucht die Gruppe mehr Unterstützung? Weitere Anregungen bietet die Partizipation von Kindern.

Die strukturellen Unterschiede zwischen Ländern und Schulformen machen solche Formate besonders wertvoll. Empirische Vergleiche zeigen, dass politische Bildung nicht überall denselben Raum erhält. Umso wichtiger sind feste, wiederkehrende Gelegenheiten, damit Beteiligung nicht vom Zufall oder vom Engagement einzelner Personen abhängt.

Ihr nächster Schritt zu starker politischer Bildung mit P1 Pädagogik

Politische Bildung in der Schule gelingt, wenn drei Dinge zusammenkommen: eine wertschätzende Haltung, verlässliche Beteiligungsroutinen und ausreichend qualifizierte Fachkräfte. Nicht jedes Team kann sofort ein grosses Projekt starten. Jede Einrichtung kann aber eine konkrete Entscheidung transparent machen, eine Gesprächsregel vereinbaren oder einen Klassenrat verbindlich einführen.

Pädagogische Fachkräfte brauchen dafür Zeit, Sicherheit und Kolleginnen und Kollegen, die demokratische Prozesse mittragen. Einrichtungen profitieren von Personal, das fachlich passt, sich auf unterschiedliche Gruppen einstellen kann und auch in anspruchsvollen Situationen ruhig moderiert.

P1 Pädagogik unterstützt Kitas, Schulen und Jugendeinrichtungen mit pädagogischen Fachkräften für Arbeitnehmerüberlassung und Personalvermittlung. Fachkräfte werden unbefristet nach BAP/DGB-Tarif beschäftigt, übertariflich vergütet und passend zu Qualifikation, Region und persönlichen Präferenzen eingesetzt. Feste Ansprechpartner und eine App begleiten die Einsätze digital und persönlich.

Für die fachliche Weiterentwicklung können Sie die Fortbildungen für Pädagoginnen und Pädagogen nutzen. Das stärkt nicht nur Methodenwissen, sondern auch die Sicherheit, kontroverse Gespräche zu führen, Beteiligung zu ermöglichen und Grenzen klar zu setzen.


P1 Pädagogik vermittelt qualifizierte pädagogische Fachkräfte für Kitas, Schulen und Jugendeinrichtungen und schafft damit verlässliche Bedingungen für gelebte Demokratiebildung. Besuchen Sie P1 Pädagogik, informieren Sie sich über passende Einsätze oder bewerben Sie sich in einer Minute, auch ohne Lebenslauf oder Anschreiben.

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